Adelheid von Burgund

* 931 od. 932
† 16.12.999

Adelheid von Burgund, Dom Meissen, um 1260, Naumburger Dombauwerkstatt.

Bildarchiv der Vereinigten Domstifter, Foto: Matthias Rutkowski

Dr. Barbara Gaertner

Kunsthistorikerin, Forschungsstelle Kaiserpfalz

Adelheid hatte einen starken Willen und
war in der Lage, Strategien zu entwickeln,
die sie zielstrebig verfolgte. Ich bewundere sie für ihre Stärke und Unbeugsamkeit, aber auch für ihre Fähigkeit, ihre Gegner einzuschätzen und ihre Ratgeber klug auszuwählen.

Adelheid von Burgund wurde 931 oder 932 geboren und starb am 16.12.999.
Als fünfjähriges Mädchen erlebte sie die Übergabe der Heiligen Lanze, der damals wertvollsten Reliquie und Machtinsignie, durch ihren Vater König Rudolf II. an Otto I. als Zeichen des politischen Bündnisses.
Mit 16 Jahren wurde sie mit König Lothar II. von Italien verheiratet, der nach kurzer Amtszeit einem Mord zum Opfer fiel. Adelheid und ihre Tochter Emma wurden von Markgraf Berengar von Ivrea, dem mutmaßlichen Auftraggeber der Tat, gefangengenommen.

Die Verweigerung Adelheids, den Sohn Berengars zu ehelichen, führte zu ihrer und Emmas Einkerkerung, denn nach damaligem Recht ging Lothars Königswürde an den zukünftigen Gatten Adelheids über. Aber sie konnte sich und ihr Kind befreien und nach Canossa fliehen. Dort kontaktierte sie den verwitweten Otto I., den engen Verbündeten ihrer Familie, der sie in Sicherheit bringen ließ. Otto I. besiegte Berengar und vermählte sich mit Adelheid. 962 erfolgte die Kaiserkrönung des Paares. Das Deutsche Reich und Reichsitalien wurden unter Otto I. vereint.

Durch das Ausschalten der Ansprüche von Ottos erstgeborenem Sohn Liudolf und dessen Verbündeten Konrad von Lothringen erlangte Adelheid einen für eine damalige Herrscherin ungewöhnlich großen, politischen Handlungsspielraum, denn sie gehörte nun zu einem kleinen Kreis von Entscheidungsträgern.

Otto I. starb auf dem Höhepunkt seiner Macht 973 in Memleben. Otto II. blieben nur zehn Jahre als Regent. Er heiratete die Byzantinerin Theophanu. Bei seinem plötzlichen Tod war sein Sohn Otto III. erst drei Jahre alt.

Heinrich II., ein Neffe Ottos I., brachte Otto III. in seiner Gewalt, um die Macht im Reich zu erlangen. Doch Bischof Willigis von Mainz und der Bischof zu Reims unterstützten Adelheid und Theophanu, die beide als Regentinnen in Frage kamen. Die Machtverhältnisse konnten zu ihren Gunsten entschieden werden. 984 nahmen sie den Knaben Otto III. auf einem Hoftag in Empfang und regierten bis zu Theophanus Tod 991 in Nimwegen gemeinsam das ottonische Reich. Adelheid übernahm die Regentschaft für den noch immer minderjährigen Otto III.

Kaiserin Adelheid sollte Ottos Volljährigkeit noch erleben und stand somit fast ein halbes Jahrhundert an der Spitze Europas. Zu ihrer Zeit wurde die Pfalz Ingelheim zur bevorzugten Osterpfalz der Ottonen, aber Adelheid wird wohl auch an einigen der glanzvollen ottonischen Hoftage und Reichssynoden teilgenommen haben.
Da sich Otto III. als Knabe mehrfach mit Mutter und Großmutter in Ingelheim aufgehalten hat, wird diese Pfalz einen entsprechenden Stellenwert für ihn gehabt haben, wenn er auch später vor
allem Aachen und Rom den Vorzug gab.

Dr. Katarzyna Ibragimow-Schönfelder

Archäologin, Forschungsstelle Kaiserpfalz

Ich bewundere sie für ihr klares Verständnis der Spielregeln der Macht und wie sie dank eigener kluger Entscheidungen zu einer Kernperson der ottonischen Dynastie geworden ist.
Sie war aktiv regierende Kaiserin und dazu noch Mutter. Als Politikerin und private Person steht sie für eine starke Frauenrolle und könnte mit ihrer Biografie auch heutzutage beeindrucken.